Alles braucht seine Zeit – oder: Wie man von anderen etwas über sich selbst lernen kann

Gastbeitrag von Anne Treutler, Puchheim

Eigentlich müssten diesem Bericht schon viele andere Texte voraus gegangen sein. Aber irgendwann muss man ja nun mal anfangen und irgendwann werde ich meine Gedanken mal ordnen, um auch das Vorangegangene aufzuschreiben. Jetzt starte ich erstmal mit dem aktuell jetzt gerade Geschehenen.

Denn unsere Hunde leben ja auch im Hier und Jetzt! Während Christiane mir nochmals mit anschaulichen Beispielen erklärt, was das genau bedeutet, grüble ich darüber nach, dass wenn ich total bei mir selbst bin, ich auch ne rote Ampel überlaufen würde … ist es nicht so, als würde man vor sich hin träumen?

Treffen wir uns lieber auf einen Spaziergang, Praxis liegt mir einfach mehr. Diesmal sind wir zu sechst unterwegs: Christiane und ihre Paula, Roos und Kleinpudel Jasper, mein durchgeknalltes Border-Pubertier Stui und ich. Dazu muss man noch sagen, dass Paula und Jasper ein eingespieltes Team sind und sich durch wechselseitiges Hundesitting gut kennen. Stui und Paula kennen sich von einigen gemeinsamen Gassigängen.

Christiane und Roos, scheinen sich seit Jahren zu kennen. Ich treffe Roos heute zum ersten Mal. Christiane hatte ich vor ein paar Wochen auf Facebook angequatscht, da wir offensichtlich ziemlich viele gemeinsame Themen haben: die Führung und Ausbildung unserer Hunde, Therapiehundearbeit und viele andere pädagogische Themen – es hat sofort gefunkt! Und da Christiane einfach super ist im Leute zusammen führen, passt es an dem Nachmittag einfach ideal. 

Man soll im Hier und Jetzt sein … man soll mit sich selbst im Reinen sein … man soll “grün” sein, wenn man mit seinem Hund raus geht und ihn aktiv führen will … Ich glaub ich war bei diesem spontanen Spaziergang alles andere als das. Vielleicht eher grün hinter den Ohren 😉 …. meiner am Morgen vorangegangenen Zahnbehandlung sei Dank … gerade zu Beginn fühlte sich meine Lippe noch recht pelzig an. Aber gerade dies war wohl der Grund dafür, dass ich mich zurücklehnte, mein Bordertier ziehen ließ, mir sagte, dass ich mich nicht ärgern werde, da ich eh nichts ausrichten könnte und einfach meinen anderen vier Lehrmeistern zuhörte oder beobachtete. 

Paula und Jasper rannten von Anfang an über die Puchheimer Felder, Border Stui frönte seiner Frustrationstoleranz: Er zog an der Leine, jaulte, sprang in die Luft. Ich ignorierte tapfer, verhinderte Schlimmeres, redete mir ein, es sei sein jugendliches Alter. Mir schwirrten Sätze im Kopf rum wie … Wo ist der Anfang? … an der Haustür, beim Verlassen des Hauses … die hatten wir schon hinter uns gelassen. Also weiter durch das Chaos! 

Stui trifft erstmals im Freilauf auf Jasper – energiegeladen, hektisch, übermütig

Ab durchs Wohngebiet hinaus auf die Felder. Hier konnte mein Border-(Un-)tier Chaos stiften, wie es wollte. Viel konnte nicht passieren. Innerlich hielt ich mir die Hände vor die Augen und hoffte, dass uns kein anderer hochenergetischer Hund entgegen kommen würde.

Bei Paula, Christianes Aussiedoodle-Dame, wusste ich, dass sie sich nie und nimmer von Stuis Getue anstecken lassen würde. Und bei Jasper? Mein Gefühl sagte mir, die beiden sind nicht geeignet, eine Party zusammen zu feiern. Vielleicht auch, weil Paula und Jasper so ein eingeschweißtes Team sind und Stui das dritte Rad am Wagen war? (Anmerkung von Christiane: diese Konstellation ist Hunden soweit ich weiß nicht geläufig). Zudem waren es ja auch wir Menschen die die Situation dann regeln. Jawohl!

Nach 10 Minuten – während der drei Menschen dafür sorgten, dass Stui Jasper nicht zu nahe kam, wurde es etwas ruhiger – aber Jasper (kastriert) ist für Stui (intakt) noch immer höchst interessant.

Nach kurzer Absprache unter uns Dreien ließ ich Stui ebenfalls von der Leine. Halbherzig versuchte ich es noch mit “Schau mich an”, “Entspann dich bevor du zu den anderen rennst!” … vergebene 30 Sekunden. Ich löste den Karabiner … Anspannung fiel von mir ab, zum Einen weil keine 20 Kilo mehr an meinem Arm rum zogen und zum Anderen, ja zum anderen waren ganz plötzlich Christiane, Roos, Paula und Jasper mit in die Interaktion und Regelung meines Hundes mit einbezogen. (Wenn ich das hier so schreibe, liest es sich als wäre ich ein verantwortungsloser Hundemensch, der ständig seinen unerzogenen Wirrkopf in andere Hunde reinlaufen lässt. Ganz das Gegenteil ist der Fall 🙂 Es gibt nun mal Situationen und Gruppen oder auch einzelne Menschen wo man weiß, hier kannst du dich fallen lassen, hier passt es gerade. 

Und so war es auch! Paula, die es verstand, den Jungspund umgehend zu stoppen, Christiane, die erkannte, wann sie ihrer Hündin zur Seite stehen musste, sogar ein Jasper, der nicht auf Stuis wilde Spiele einstieg und eine Roos, die gerade ein Seminar bei Ska Siolek absolviert hatte. Alles passte! 

Drei völlig gelassene Hunde gemeinsam unterwegs mit ihrer Gruppe…. 🥰

Leute, lasst Euch von euren Pubertieren nicht an den Rand der Verzweiflung treiben!

Vorher sucht Euch bitte verbündete, vertraute Personen, wo Ihr euch mal zurück fallen lassen oder einfach mal wieder auftanken könnt. Und auftanken solltet Ihr immer mal wieder Eure Geduld, Euer Wissen, Eure Wahrnehmung und Euer Inneres Statement.
Und ganz wichtig: Ziele überprüfen nicht vergessen. 

Während ich das hier schreibe, denke ich an meinen letzten turbulenten Spaziergang mit Stui zurück, wo ich mir am liebsten auch die Hände vor die Augen gehalten hätte …
Aber ich merke, wie es bergauf geht … langsam, aber immer weiter. Ich selbst werde ruhiger und so auch Stui, der gar nicht so untypisch ist für einen jungen Hütehund! 😉

Danke an Christiane mit Paula und an Roos mit Jasper!

Danksagung

Herzlichen Dank, liebe Anne für diesen wunderbaren Gastbeitrag. Derartiges Feedback ist uns sehr wertvoll und hilft uns, unser Angebot stetig weiter zu entwickeln. Ich freue mich besonders, dass Du Dich bei uns wohl und getragen fühlst, und wir hoffentlich noch viele weitere gemeinsame Erlebnisse haben werden. Besonders toll finde ich, dass Du seit kurzem als neues Teammitglied unsere Erlebnis-Touren begleitest – mal mit und mal ohne deinen ganz tollen Stui-Border! Einige kennen Dich ja schon von der Schäftlarn- oder der Zamperl-Tour.

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